Bei Metallen ist das Recycling viel einfacher als etwa bei Kunststoff, doch auch hier werden noch eine Reihe von Fragen heftig diskutiert. Die Problematik soll am Beispiel des Aluminiums exemplarisch besprochen werden.
Aluminium ist weltweit betrachtet nach Stahl der wichtigste metallische Werkstoff. Es ist nicht nur korrosionsbeständig, sondern weist auch eine geringe Dichte und eine sehr gute elektrische Leitfähigkeit auf. Aluminium ist leicht zu bearbeiten und zu verformen; durch Legieren wird es so hart wie Stahl. Dies und die Langlebigkeit der aus diesem Metall hergestellten Produkte haben ihm in den vergangenen Jahrzehnten immer neue Anwendungsbereiche erschlossen, so daß die Aluminiumproduktion seit 1950 um mehr als das Achtfache gesteigert wurde (Abb. 89, Tab. 45).
Abb. 89: Entwicklung der Welt-Aluminium-Produktion

Tab. 45: Verwendung des Aluminiums in der Industrie Westeuropas
| (Auswahl) Industriezweig | Anteil am Gesamt-Aluverbrauch ( in %) |
Lebensdauer (Jahre) |
Anteil des Recycling (in %) |
| Verkehr | 25 - 30 |
10 |
50 - 75 |
| Bauwesen | 18 - 22 |
10 - 30 |
50 - 70 |
| Verpackung | 10 - 12 |
1 |
3 - 20 |
| Elektrotechnik | 8 - 10 |
10 - 30 |
60 - 70 |
| Haushaltswaren | 6 - 9 |
4 - 12 |
25 - 30 |
| Maschinenbau | 6 - 9 |
10 |
50 - 70 |
Aluminium wird aus Bauxit hergestellt, einem auf der Erde reichlich vorhandenen Rohstoff. Bauxit muß zuerst zu Aluminiumoxid verarbeitet werden, bevor aus diesem Material in einer Schmelzflußelektrolyse reines Aluminium erzeugt werden kann.
Zwei Aspekte bei der Aluminiumproduktion haben die Umweltschützer auf den Plan gerufen:
Abb. 90: Vom Bauxit zum Aluminium
Der heute verwirklichte Stand der Technik macht es erforderlich, beide Aspekte neu zu beurteilen.
In allen Aluminiumhütten in Deutschland werden die Abgase aus der Elektrolyse erfaßt und über wirksame Filteranlagen geleitet. Fluor- und Staubemissionen sind daher weitestgehend unterbunden.
Die Antworten auf den Vorwurf, ein "Energiefresser" zu sein, lauten: Recycling, Materialeinsparung, Lebensdauer, Leichtigkeit.
Recycling: Aluminium kann sehr leicht wiederverwertet werden. Es kann nach Gebrauch beliebig oft wieder eingeschmolzen werden. Für die Produktion dieses "Sekundäraluminiums" sind nur etwa 6% der Energie erforderlich, die für die Primärproduktion benötigt wird. In den westlichen Ländern der Bundesrepublik werden heute schon etwa 70% aller anfallenden Aluminiumschrotte wiederverwertet. Probleme bereiten auch hier die vermischten Abfälle, beispielsweise die Verpackungen. Durch das "Duale System" soll an dieser Stelle Verbesserung geschaffen werden. Ob die Verwertungsabsicht der Aluminiumindustrie eingelöst wird, kann zur Zeit noch nicht beurteilt werden (siehe folgender Kasten).
| Die Aluminiumindustrie wird im Rahmen des Dualen Systems von den Sortierzentralen der DSD aus Aluminium bestehende oder Aluminiumfolie enthaltende Verpackungen, die den "Grünen Punkt" erhalten haben, zurücknehmen und verwerten. Dabei geht die Aluminiumindustrie davon aus, daß die Sortierung bei der DSD im Sinne einer bestmöglichen Verwertbarkeit vorgenommen wird. Die Abnahme- und Verwertungsgarantie zur Erlangung des Grünen Punktes wird von der DAVR Deutsche Aluminium Verpackung Recycling GmbH pro Verpackung dem Abnehmer gegenüber konkretisiert. |
Materialeinsparung: Aus beispielsweise 100 kg Aluminium kann mehr als die doppelte Menge (Anzahl) an Fertigprodukten hergestellt werden als etwa aus Eisen oder Glas.
Lebensdauer: Aluminium überzieht sich an der Luft mit einer "natürlichen", äußerst festen und kompakten Oxidschicht, die das Metall vor einer weiteren Oxidation vollkommen schützt. Im Gegensatz zu Stahl wird daher kein Schutzanstrich benötigt, Korrosionserscheinungen treten nicht auf - daher ist die Lebensdauer von Aluminiumprodukten länger als die von Eisen oder Stahl.
Leichtigkeit: Aluminium ist nur etwa ein Drittel so schwer wie Stahl. Es wird zunehmend in Autos, der Bahn oder Flugzeugen anstelle des schwereren Stahls eingesetzt, um durch das verringerte Gewicht Treibstoff zu sparen. Bei einem Auto führt dies zu einer Verringerung des Treibstoffverbrauches um etwa einen halben Liter pro 100 Kilometer.

| Die "Rote Karte" für den "Grünen Punkt" ? Bewertet man diese Punkte im Zusammenhang, wird man zur Feststellung gelangen, daß das Bild des "Umweltsünders Aluminium" heute kaum noch haltbar ist. Selbst die ärgerliche Flut der Aluminiumdosen wäre in vernünftige Bahnen zu lenken, wenn man die Dosen - wie es in den USA, der Schweiz oder Schweden geschieht - zu 100% aus Aluminium fertigen würde und zusätzlich mit einem Pfandsystem ihre Rückführung in das Recycling sicherstellen würde. Seit dem 1. Dezember 1991 gilt die "Verordnung über die Vermeidung von Verpackungsabfällen". In einem abgestuften Verfahren sollen Verpackungen in steigendem Umfang erfaßt werden mit dem Ziel, bis 1993 eine flächendeckende Sammlung und Wiederverwertung zu erreichen. Signalisiert wird diese Maßnahme durch den "Grünen Punkt", der inzwischen auf immer mehr Verpackungen auftaucht und leider von vielen Kunden mißverstanden wird: Die Kennzeichnung mit dem "Grünen Punkt" bedeutet nämlich nicht, daß ein Produkt - ähnlich wie durch die Kennzeichnung mit dem "Umweltengel", als umweltfreundlich einzustufen ist. Umweltverbände befürchten (zu Recht?), daß dieses Mißverständnis beabsichtigt ist. Der grüne Punkt besagt nur, daß es sich um eine Einwegverpackung handelt, die künftig nicht mehr auf dem Müll landet, sondern wiederverwertet wird. Wie kommt aber die Aluminiumdose etwa vom Verbraucher zu einer Recyclingfirma? Die Antwort heißt: "Duales System Deutschland" (DSD). DSD hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: bis 1995 will sie nachweislich 80% aller gebrauchten Verpackungen sammeln und davon wiederum 80% sortiert der Wiederverwertung zuführen. Schafft sie dieses Ziel nicht, tritt ein bislang nicht angewendeter Passus der Verpackungsverordnung in Kraft: in diesem Fall müßte der Handel sämtliche Verkaufsverpackungen zurücknehmen. Dies soll durch das "Duale System" vermieden werden. Ob DSD die Erwartungen erfüllt, kann man im Herbst 1992 noch nicht abschließend beurteilen. Umweltverbände kritisieren den "Grünen Punkt" und das "Duale System" zum Teil heftig: Sie bezweifeln, daß man mit einem System, das nicht konsequent auf die Abfallvermeidung zielt, dem zentralen Anliegen der Verpackungsverordnung überhaupt gerecht werden kann, welches lautet: "Verpackungen sollen nicht mehr zu Abfall werden." |