Das Ozonloch in der Antarktis


Es ist auf den ersten Blick sicherlich verwunderlich, daß das "Ozonloch" ausgerechnet am Südpol, über der Antarktis entsteht, Tausende von Kilometern entfernt von den Hauptemmissionsquellen wie Europa oder Nordamerika. Weshalb entsteht es dort und zur Zeit nur dort? Heute kennt man die Bedingungen, die für seine Entstehung wichtig sind:

  1. Wichtigstes Element ist die Ausbildung einer über Monate stabilen Schicht mit einer Temperatur von -80 °C und darunter in der Stratosphäre. Solche Temperaturen werden nur gegen Ende des Winters an den Polen erreicht - nach monatelanger Polarnacht. Solche besonders stabilen Verhältnisse werden vor allem am Südpol erreicht.
  2. In der normalerweise sehr trockenen und wolkenfreien Stratosphäre bildet sich ein dünner Wolkenschleier großer Ausdehnung. Diese Eiswolken binden nicht nur die vorhandenen NOx-Moleküle, sondern auch ClONO2 und HCl.
  3. An der Oberfläche der Eispartikel wird durch die Reaktion
    CIONO2 + HCI (Eis) Cl2 + HNO3 (Eis)

    Chlor gebildet. Im arktischen Frühling ist dies eine besonders effektive Quelle für Cl- und ClO-Radikale, die in bekannter Weise das Ozon in hohem Umfang abbauen können. Die für einen möglichen Abbau der Radikale und damit Schutz des Ozons wichtigen Stickstoffoxide sind zu diesem Zeitpunkt noch in den kalten Wolken im Eis eingeschlossen und damit unwirksam.

  4. In den Sommermonaten schließt sich das Ozonloch wieder: einmal sind die festgelegten "Schutzmoleküle" wieder frei, zum anderen begünstigt die stärkere Sonneneinstrahlung die Neubildung von Ozon. Außerdem besteht die stabile Luftschicht in der Stratosphäre nicht mehr, so daß ozonreichere Luft nachströmen kann.
  5. Eine solch drastische Ozonabnahme wie am Südpol wurde auf der Nordhalbkugel nicht beobachtet. Zwar ist auch hier ein Rückgang festzustellen, doch ist es am Nordpol im Vergleich zum Südpol deutlich "wärmer", so daß sich dort keine stratosphärischen Wolken bilden können.

Abb. 7: Ozonwerte am Südpol: Jeweils im September und Oktober, vom 244. bis zum 304. Jahrestag der Jahre 1985 und 87, war das Ozon am Südpol deutlich reduziert. Dieses "Ozonloch" hat sich 1988 wieder weitgehend geschlossen.

(Bildquelle: EPA)

Es kann heute als gesichert angenommen werden, daß das Ozonloch, das in den letzten 10 Jahren im antarktischen Frühjahr aufgetreten ist, in erster Linie auf die stark gestiegenen Konzentrationen an CFKW's zurückzuführen ist. Auf eine rasche Besserung ist leider nicht zu hoffen, selbst wenn man von der (wenig realistischen) Annahme ausginge, alle Länder würden dem Beispiel der Bundesrepublik folgen und ab 1995 Produktion und Anwendung der CFKW's einstellen. Angesichts der langen Diffusionsdauer - es dauert 10 Jahre und mehr, bis die auf der Erde emittierten Gase in die Stratosphäre gelangen - und der langen Lebensdauer der CFKW's in der Stratosphäre (zum Teil mehr als 50 Jahre!), ist mit einer Besserung der Situation nicht kurzfristig, sondern erst in Jahrzehnten zu rechnen.

Während alle Medien vor der Zerstörung der Ozonschicht in der Stratosphäre warnen und befürchten, es sei "oben schon zu wenig Ozon", beklagen sich viele Bürger, Mediziner und Umweltschützer über "zuviel Ozon in der Luft" und geben "Ozonalarm". Haben früher viele Kurorte mit "ozonreicher" Luft geworben und Erholungssuchende angezogen, so formulieren sie heute Warnungen vor "zuviel Ozon", weil sie langsam aber sicher die ozonhaltige Luft bekommen, die sie - fälschlicherweise - früher immer angepriesen haben. Wie ist die paradoxe Situation zu erklären?

Ozon ist ein sehr starkes Oxidationsmittel und reagiert mit den meisten organischen Molekülen. Man verwendet es daher gern als wirksames Desinfektionsmittel in Schwimmbädern. Bei der Oxidation werden Gewebe von Tieren und Pflanzen geschädigt. Ist die Ozonkonzentration niedrig, können im Körper Anpassungsvorgänge als Reaktion auf dieses "aggressive Luftgift" ablaufen, so daß durch eine niedrige Dosis an Ozon die allgemeine körperliche Widerstandskraft gestärkt wird - daher die Werbung der Fremdenverkehrsorte mit "ozonhaltiger Luft". Bei höheren Konzentrationen ist der Körper jedoch nicht mehr in der Lage, diesen schädigenden Einfluß zu kompensieren. Ozon, über die Atemwege in die Lunge transportiert, schädigt das gesamte Bronchialsystem - im Extremfall kann es zu einem tödlichen Lungenödem kommen.

Dies ist bei den Konzentrationen, die bei uns in der Luft vorliegen, nicht zu befürchten, doch die heute gemessenen Werte liegen bereits über der Schwelle, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für unbedenklich hält. Sie schätzt, daß ein Mensch bereits Gesundheitsschäden befürchten muß, wenn er sich 8 Stunden lang einer Ozonkonzentration von 100 mg/m3 aussetzt. In der Bundesrepublik ist ein Maximaler Immissions-Konzentrationswert (MIK-Wert) festgelegt: als 1/2-Stundenmittelwert sind 120 mg/m3 Ozon erlaubt, als 24-Stundenmittelwert gelten 50 mg/m3.

Ob diese Werte genügend niedrig angesetzt sind, wird von Umweltschützern bezweifelt. Tatsache ist, daß diese Grenzwerte bei uns häufig überschritten werden. In Mitteleuropa gelten inzwischen 30 bis 40 mg/m3 bei Schönwetter als normal. Nicht selten werden aber 100 mg/m3 und mehr erreicht (vgl. Tab. 6 und 7, Abb. 7a und b). Dies sind Werte, bei denen schädigende Einflüsse befürchtet werden müssen.

Tab. 6: Anzahl der Tage mit Überschreitungen von 180µg/m3 Ozon (Quelle: Umweltbundesamt)

Schleswig-Holstein

Jahr

Meßstation 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996
Altendeich 4 - 12 - 29 2 9
Bargteheide - 2 5 - 20 - -
Bornhöved 18 - 1 - 18 4 3
Brunsbüttel - - - - 32 24 6
Fehmarn - - - - - 12 1
Geesthacht 19 - - - - - -
Itzehoe - - - - - 7 8
Kiel Schützenwall 15 - 6 - - - -
Kiel Stadtrand - - - - - - 7
Lübeck Lindenplatz - - - - - 2 -
Lübeck Schönböcken 10 1 - - 6 16 -
Schleswig 7 - 7 - 9 7 8
St.Peter Ording - - - - - 2 6
Westerbüttel 4 3 10 1 - - -

 

Nordrhein-Westfalen

Jahr

Meßstation 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996
Bielefeld 29 - 14 3 7 10 10
Bonn 30 2 21 15 22 22 -
Borken - 10 24 17 49 17 16
Bottrop - 4 26 5 39 34 7
Chorweiler 74 4 26 28 62 39 6
Dormagen 60 6 21 17 41 63 5
Dortmund 51 5 5 5 27 19 5
Eggegebirge 75 19 28 9 72 11 9
Eifel 81 8 46 26 56 96 -
Finnentrop - - - 20 30 14 1
Hattingen 61 5 8 6 39 33 5
Herten - 4 18 5 46 35 9
Hilden 62 2 23 14 31 30 9
Hürth 76 5 12 28 45 35 2
Ickern 37 2 13 6 32 22 10
Krefeld - 6 17 13 48 60 8
Ladbergen - - 37 4 31 9 9
LIS Essen (Bredeney) 34 - 22 - 47 34 4
Loerick 64 1 15 18 52 74 1
Marl Sickingmühle 38 4 7 11 53 41 20
Meerbeck 68 9 31 6 47 65 4
Nettetal 53 9 25 6 54 62 6
Neuss 42 3 16 16 50 58 5
Niederzier - 5 25 37 61 84 4
Riehl Köln - - - 15 27 32 1
Rodenkirchen 33 8 17 15 22 14 -
Rothaargebirge 50 21 19 19 63 59 9
Schwerte 25 - 10 5 34 24 -
Soest - 12 13 8 41 26 5
Styrum - 5 9 7 30 39 8
Unna 22 4 2 6 31 21 2
Walsum 53 5 8 9 66 38 9
Wesel 54 8 11 10 55 48 8

Tab. 7: Anzahl der Tage mit Überschreitungen von 240 µg/m3 Ozon (Quelle: Umweltbundesamt)

Schleswig-Holstein Jahr
Meßstation 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996
Bornhöved 2 - - - - - -
Geesthacht 3 - - - - - -
Kiel Schützenwall 1 - - - - - -

 

Nordrhein-Westfalen Jahr
Meßstation 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996
Bielefeld 1 - - - - - -
Bonn 4 - - - - 1 -
Borken - - 3 - 3 - -
Bottrop - - - - 1 - -
Chorweiler 14 - 2 - 2 - -
Dormagen 10 - 2 - 3 3 -
Dortmund 5 - - - - - -
Eggegebirge - - - - 4 - -
Eifel 2 - 3 1 2 - -

 

Abb. 7a: Max. 1/2-Stundenwerte der Ozonkonzentration in mg/m3 an "city-nahen" Meßstellen (Quelle: Umweltbundesamt)

Abb. 7b: Max. 1/2-Stundenwerte der Ozonkonzentration in mg/m3 in ländlichen Meßstellen (Quelle: Umweltbundesamt)

Wer ist der Verursacher dieser hohen Ozonwerte? Die Antwort ist so einfach wie eindeutig: wir selbst. Da, wo viele Menschen zusammenleben, in Ballungsgebieten, in denen die Atmosphäre als "Abfalleimer" für alle möglichen gasförmigen Stoffe benutzt wird, sind die Bedingungen für die Ozonbildung am besten: viel Autoverkehr (mit Emission von Stickstoffdioxid und Kohlenwasserstoffen), Sommerwetter mit viel Sonnenschein (und damit UV-Strahlung) und der berüchtigte Photo-Smog oder Los Angeles-Smog.

Photosmog - Los Angeles-Smog

Photosmog - auch Sommersmog genannt - wurde in den vierziger Jahren zuerst in Los Angeles beobachtet. In der Region leben etwa 7,5 Millionen Menschen - mit etwa gleich großer Autozahl. Stadt und Umland liegen in einem Becken, in dem es im Sommer häufig zu stabilen Inversionswetterlagen kommt. Bei dieser Wetterlage ist die normale Zirkulation der Luft nicht möglich, da wärmere Luftschichten in der Höhe tieferliegende kalte überdecken. Alle Abgase der Stadt - die wichtigsten sind hier angesichts des alles beherrschenden Autoverkehrs die Autoabgase - sammeln sich wie unter einer riesigen Glocke. Durch die intensive Sonneneinstrahlung werden wie in einem "Reaktor" eine Vielzahl von chemischen Reaktionen in Gang gesetzt. Aus diesem Produktgemisch hebt sich ein Produkt wegen seiner besonders hohen Menge heraus: Ozon.

Sichtbar in Erscheinung tritt der Photosmog als ein mehr oder weniger dichter Dunst. Schlimmer als dieser sind die Wirkungen des brisanten Reaktionsgemisches: in leichten Fällen kommt es zu einer Reizung der Schleimhäute, besonders der Augen. Doch auch Lungenerkrankungen wie z. B. eine Bronchitis (im Sommer) oder die Zunahme von allergischen Erkrankungen werden mit einiger Berechtigung auf den Sommersmog zurückgeführt. Er sorgt auch dafür, daß Farben rascher ausbleichen, und Leder, Gummi und Textilien rascher brüchig werden. Ob das Brüchigwerden der Autoreifen die Bewohner jedoch dazu veranlaßt, ihre Fahrgepflogenheiten grundsätzlich zu ändern und die Autos stehenzulassen, muß nach dem Stand der Dinge bezweifelt werden. Dies wäre angesichts einer Verkehrsstruktur, die dort völlig auf das Auto zugeschnitten ist, auch gar nicht ohne weiteres möglich.