Diese Verbindungsklasse wurde etwa um 1930 entwickelt. Wegen ihrer Unbrennbarkeit, des hohen Siedepunktes und hohen Viskosität, ihrer thermischen Stabilität und chemischen Resistenz wurden die Verbindungen sehr breit eingesetzt. Sie dienten als Weichmacher in Lacken und Kunststoffen. In Verpackungsmaterialien, Klebstoffen, Pestiziden, Textilhilfsmitteln und Flammschutzmitteln waren sie ebenso zu finden wie in Isolier- und Kühlmitteln oder als Hydraulikflüssigkeit. Ein Beispiel für diese Verbindungsklasse ist das PCB Pentachlorbiphenyl:

CB's mit mehr als 5 Chloratomen sind extrem persistent: man schätzt die Halbwertszeit für ihren Abbau in der Biosphäre auf 10 bis 100 Jahre. Im Organismus schädigen sie vor allem das Immunsystem. Die akuten Vergiftungssymptome kennt man gut seit 1968, als in Japan ca. 1200 Personen Reisöl zu sich nahmen, das mit PCB's verunreinigt war - 22 Personen starben an der Vergiftung. In den weniger schlimmen Fällen waren als Vergiftungssymptome Akne und Ödeme im Gesicht festzustellen, Schwellungen der Augenlieder, Müdigkeit, Sehstörungen und Taubheitsgefühle in den Extremitäten traten auf.
Wegen ihrer hohen Persistenz findet man die PCB's heute praktisch überall in der Umwelt - sie reichern sich dort, da sie ja kaum abbaubar sind, in der Nahrungskette an.
Im Genfer See fand man 1980 folgende Mengen an PCB's (bezogen auf die Trockenmasse):
In der Nordsee hat man - bezogen auf den Gehalt im Meerwasser - im Fettgewebe von Meeressäugern Akkumulationsfaktoren bis zu 10 Millionen gefunden. Natürlich bleibt auch der Mensch von derartigen Belastungen nicht verschont: Muttermilchuntersuchungen in der Schweiz im Jahre 1980 zeigten mit ca. 2 ppm PCB's so hohe Werte, daß bisweilen vom Stillen abgeraten wurde.
Auf Grund der höchst bedenklichen Wirkungen der PCB's ist seit 1978 ihre Verwendung nur noch in geschlossenen Systemen erlaubt, z.B. in Hydrauliksystemen oder Kleinkondensatoren. Wegen der noch ungeregelten und unkontrollierten Entsorgung dieser Produkte besteht jedoch immer noch die Gefahr der PCB-Emission, so daß trotz der Einstellung der Produktion dieser Stoffe in der Bundesrepublik im Jahre 1983 die Problematik zwar als verringert, aber längst noch nicht als bewältigt angesehen werden kann. Nur ein Beleg: nach wie vor befindet sich der PCB-Gehalt der Muttermilch auf einem Niveau, das die toxikologisch wünschenswerte Sicherheitszone noch nicht gewährleistet. Ob die seit 1990 gültige Höchstmengenverordnung hier Besserung bringt, muß abgewartet werden. Nach der Verordnung dürfen nur noch Nahrungsmittel verkauft werden, deren Schadstoffgehalt unter einer festgelegten Grenze liegt.
| Ohne Chlor kein Chip und keine Solarzelle Mikroelektronik und Solartechnologie basieren auf einem gemeinsamen Grundstock: Reinst-Silicium. Seine Darstellung ist ohne Chlor nicht möglich. Die folgenden Reaktionsgleichungen geben die drei entscheidenden Stufen des Herstellungsprozesses wieder:
Aus Quarz wird mit Kohle oder Koks (meist auf elektrochemischem Wege) Rohsilicium hergestellt. Dieses Rohsilicium enthält in der Regel insgesamt noch etwa 2% Fremdbestandteile wie z.B. Fe, Al, Ca, Ti, C, u.a. Es kann zwar für die Weiterverarbeitung zu Silikonen verwendet werden, für die Bedürfnisse der Mikrolektronik ist es aber viel zu verschmutzt. Zur "Reinigung" wird das Roh-Silicium mit HCI zu Trichlorsilan, SiCl3H, umgesetzt. Dabei erhält man Trichlorsilan in hoher Reinheit . In der dritten und letzten Stufe wird gasförmiges Trichlorsilan mit Wasserstoff bei sehr hohen Temperaturen umgesetzt. Dabei erhält man Silicium mit einer Reinheit von 99,999 999 9 Prozent, d.h. die Summe aller Verunreinigungen ist kleiner als 1 ppb. Damit genügt es den höchsten Anforderungen, die die Mikroelektronik an die Qualität des Siliciums stellt. |
Die Darstellung und die exemplarisch ausgewählten Beispiele zeigen, wie schwierig eine Antwort auf die Frage fällt, ob "Chlorchemie" eine verfehlte Technik darstellt. Ohne eine differenzierende Beurteilung wird man der Problemstellung nicht gerecht - zumal für eine abschließende Bewertung der Kenntnisstand noch zu lückenhaft ist.
Eine Beurteilung nach dem derzeitigen Stand der Kenntnisse zeigt, daß es Bereiche gibt (z.B. PCB's, CFKW's ), wo eine rasche Einstellung der Produktion nicht nur europaweit, sondern besser weltweit erfolgen muß, um dem hohen Gefährdungspotential durch die genannten Chemikalien Rechnung zu tragen.
Das Beispiel der Darstellung von Reinst-Silicium weist darauf hin, daß die pauschale Forderung nach einem kompletten, sofortigen Ausstieg selbst für engagierteste Umweltschützer ohne Abstriche nicht zu halten sein dürfte - der Preis wäre der Abschied von der Solartechnologie.
Verantwortlicher Umgang mit diesen Produkten ist gefragt. Dies heißt: